Nieder mit der Zettelwirtschaft

Samstag, 2. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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Marco Maas‘ Leben befindet sich zu großen Teilen in einer Cloud. Das bedeutet nicht, dass der freie Journalist  und  Teil des OpenDataCity-Teams verträumt den Kopf in den Wolken trägt. Im Gegenteil:  Die Cloud hilft ihm, sein Leben und seine Arbeit effizient zu sammeln, zu organisieren und zu mobilisieren. „Sie bietet die Möglichkeit auf beliebige Daten von beliebigen Endgeräten zu jeder Zeit zuzugreifen“, erklärt Marco Maas.

Also ein Platz im Netz an dem man Daten aller Art speichern und flexibel wieder abrufen kann. Eine virtuelle Festplatte. Speicherplatz unbegrenzt – gegen Bezahlung. Dieser Art zu Arbeiten legt der Datenjournalist vier Thesen zugrunde:

1. Alles wird hochgeladen. „Was nicht in der Cloud ist existiert für mich nicht.“

2. Hardware ist entbehrlich. „Jeder verlorene Rechner muss in vier Stunden ersetzbar sein.“

3. Abbau von Barrieren. „Systemübergreifendes Arbeiten muss möglich sein.“

4. Die Frage der Sicherheit. „Ich lasse mich auf den Teufel ein, aber ich bin mir dessen bewusst.“

Der letzte Punkt ruft Kritiker auf den Plan: Alles Wichtige auf amerikanischen Servern?  Aus Datenschutzsicht kann das nicht klug sein. Dessen ist sich Maas bewusst: „Sobald es vergleichbare Dienste auf deutschen Servern gibt, werde ich umsteigen. Im Moment ist es so die beste Möglichkeit.“ Hat man also nun beschlossen sich mit dem Teufel einzulassen, gibt es verschiedenste Software dafür, sein Leben in die Cloud zu stellen. Marco Maas benutzt sie alle, könnte man fast meinen.

Seine verschiedenen Terminkalender (einen für Geschäftliches, einen für Privates, einen nur für Termine, die seine Freundin betreffen, …) erstellt er über ein Google-Konto. Seine Bilder bearbeitet er mit dem Programm Lightroom und stellt sie bei Smugmug ins Netz. „Smugmug kostet 120 Dollar im Jahr und funktioniert wie Flickr – nur professionelll“, sagt Marco Maas.  Hier stellt man jedes Bild im Original hoch und kann es in jeder Größe laden. Außerdem kann man hier auch private Ordner anlegen. So spart man sich den Speicherplatz auf dem eigenen Rechner.

Mit FastBill regelt Maas seine Steuererklärung. Auch dieses Programm ist kostenpflichtig, allerdings gibt es gratis Journalisten-Accounts. Alle Aktuellen Projekte speichert der Datenjournalist online in seiner Dropbox. So kann er von jedem Rechner auf die erstellten Ordner zugreifen und einzelne Inhalte für Kunden oder Arbeitspartner freigeben.

Außerdem benutzt Maas Quicksilver, Rowl, Abbyy Finereader, Skype, Refine, Gephi und einen Stift mit Infrarotkamera und Mikrofon, der alles aufzeichnet was man schreibt – wenn man vorher auf dem Spezialblock auf Record drückt – und in ein Textdokument umwandelt. Das alles sei gar nicht schwer, wenn man sich nur einmal ein bisschen damit beschäftigt, versichert er.

Anfangen sollte man auf jeden Fall mit einem seiner Lieblingsprogramme: Evernote. Dieses Tool löst das Problem, wie man mit Notizen und Aufzeichnungen umgeht. Es beendet die Zettelwirtschaft. Rechnungen, Briefe, Visitenkarten, Notizzettelchen: Alles, was Marco Maas an Papier in die Hand bekommt, scannt er ein und lädt es bei Evernote hoch. Verlegen kann man hier nichts mehr. Über die Schlagwort-, oder die Volltextsuche findet man alles sofort wieder, wenn man es braucht.

Nur mit seinen ToDo-Listen ist der Journalist noch unzufrieden: „Es gibt 10.000 Tools, mit denen man seine ToDo-Liste machen kann und ich finde jede weitestgehend scheiße.“ Doch Marco Maas wird nicht eher Ruhen, bevor er nicht auch hierfür die perfekte Cloud-Software gefunden hat.

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.