Investigative Dokumentationen

Samstag, 2. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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Investigativ zu arbeiten ist schwieriger geworden. Darin waren sich die mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilmer Gert Monheim, Egmont Koch und Wilfried Huismann in ihrer Diskussionsrunde einig. Sie diskutierten über die Veränderungen im Filmen investigativer Dokumentationen seit ihren eigenen journalistischen Anfängen.

„Fertig produzierte und finanzierte Filme drohen im Giftschrank zu verschwinden“, kritisierte Egmont Koch, der seit über 30 Jahren Filme für ZDF, SWR u.a. macht. Viele Justiziare der Sender hätten heute die „Schere im Kopf“ und würden die Veröffentlichung von Filmen verhindern. Auf die Frage „Risiko eingehen oder nicht“ war sein Eindruck, dass es unter Justiziaren die Neigung gebe, sich Arbeit zu ersparen. Das könne daran liegen, meinte Koch, dass heute vielen Justiziaren ein journalistisches Verständnis abgehe. Innerhalb von eineinhalb Jahren seien bei unterschiedlichen Sendern zwei fertige Filme von ihm letztlich nicht gesendet worden.

Ganz aktuell wurde Huismanns Dokumentarfilm “Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt“ diskutiert. Derzeit darf die Dokumentation nicht mehr gesendet werden, da der WWF vor wenigen Wochen eine einstweilige Verfügung bewirkt hatte. Huismann, der seit 1987 u.a. zahlreiche Dokumentationen und Features gemacht hat, interviewte in seinem Film u.a. den ehemaligen WWF-Direktor Argentiniens, Hector Laurence. Dieser spricht beispielsweise über Vorgehensweisen und zweifelhafte Bündnisse des WWF. Huismann sagte, in diesem Streit mit dem WWF um das Veröffentlichungsrecht der Dokumentation habe er die volle Rückendeckung des WDR, für den er den Film gemacht hatte. Dies sei jedoch nicht die Regel, wie auch Kollege Koch bestätigte. “Die Wertschätzung war früher höher.“ Eine Zuschauerin der Veranstaltung, selbst freie Autorin der “Story“ im WDR, regte an, den Zuschauer mehr an derlei Geschehnissen nach einem Film teilhaben zu lassen. “Dieser Film nach dem Film. – Ich glaube, dass das die Zuschauer interessiert.“

Ein weiterer Eindruck der Podiumsgäste: Der Weg von der Filmidee bis hin zum endgültigen Auftrag eines Senders ist lang geworden. “Wenn ich ein Thema vorschlage, muss es schon eine gehörige Wegstrecke genommen haben. Das war früher leichter“, so Egmont. Huismann erklärte dazu: “Die Redaktions- und Redakteursautonomie ist heute schwächer geworden. Der Zentralismus verzögert Entscheidungen.“

Seit etwa zehn Jahren sei keiner ihrer Dokumentarfilme mehr in der Primetime zwischen 20:15 Uhr und 22 Uhr gelaufen, erfragte Monheim zum Abschluss noch von Koch und Huismann. Immerhin sind beide mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilmer, Huismann gewann beispielsweise dreimal den Grimme-Preis. “Den eigenen Film nun um 23 Uhr zu sehen, wenn man selbst schon müde ist, ist hart“, so Huismann. Mut gebe ihm jedoch das starke Interesse, das sein WWF-Film nach der Ausstrahlung im Internet gehabt habe. Neben vielen Abrufen in der ARD-Mediathek sei der Film auch in zahlreichen Foren diskutiert worden. “Das sind neue Rezensionformen, die für uns als Autoren sehr spannend sind.“

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.